Ich hab´es ja nicht geahnt…

Nein, ich habe es wirklich nicht geahnt, damals im Sommer 2010, als mir jemand überaus begeistert von diesem Twitter erzählte… ich habe nicht geahnt, dass ich dort nach einiger Zeit des Lesens und Ersteinmalverstehens und dann Endlich-Selbst-Twitterns so viele tolle Menschen entdecken würde, die sich nach und nach aus diesen kurzlebigen Tweets heraus mehr und mehr in mein wirkliches, kleines Leben einschleichen würden. Ich habe nicht geahnt, dass man durch 140-Zeichen-Nachrichten wahre Begeisterungsstürme auslösen kann und auch nicht, dass man selbst ebenso in ebensolche hineingezogen werden kann. Nein, ich ahnte es wirklich nicht.

Schon viele wunderbare Begegnungen hatte ich, die ich nicht missen möchte und die mich jedesmal wieder auf´s Neue erstaunten. Dass man die Twitterer eben doch schon genauer kennt, als man denkt, war verblüffend.

Natürlich sind mir auch schon oft die unangenehmen Seiten von Twitter begegnet in Form von trollenden Hassern und Hetzern, die das Netzwerk vergiften wollen, aber es überwiegen doch die Schönheiten und die Freude über viel Horizonterweiterndes, das einem immer dann begegnet, wenn man gar nicht damit rechnet.

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„Der Baum“ von Frau Rebis steht stellvertretend in den hellen Wolken 😉

Neulich besuchte ich @frau_rebis in ihrem kleinen Dorf. Wir hatten die Aktion schon vor über einem Jahr als ursprünglich erstes Treffen geplant, denn Frau Rebis hatte entdeckt (eher als ich es wusste, dass ich wohl bei ihr in der Gegend zu einem Konzert sein würde und da könnte man doch mal… hihi). Dass wir uns zwischendrin schon einmal trafen, weil sie mit ihrem Radl bei uns vorbeifuhr (oder eben besser nicht vorbeifuhr, sondern bei uns übernachtete) war dann wohl eher Zufall, naja, bei Twitter ist wohl fast alles Zufall. Rein zufällig fiel ich ja damals auch über ihre tollen Tweets auf ihrer „Grenztour“ und blieb ihr fortan auf den Fersen oder besser, sie wuchs mir „an die Twitterherzen“ ;). Wir freuten uns jedenfalls sehr auf das Wiedersehen und auch wenn es diesmal sehr knapp ausfiel, wollten wir es richtig genießen. Die Probe in Leipzig war eher beendet und so rauschte ich schon einen ICE eher als gedacht dem (Orchester)Rudel voraus Richtung Frankfurt. Es rauschte nicht lange, denn der Zug stand irgendwann und irgendwo, naja, es war Freitag, der Fast-Dreizehnte… Nach einer Weile war dann bekannt, dass wir das Ziel nicht erreichen würden, sondern die Chance bekämen, in Offenbach Cancan zu tanzen (nein, das hat niemand so gesagt, ich habe mir das zwischen „Zugschlummernickerchen“ und Schaffnerdurchsage so zusammengereimt, Humor ist bei der Deutschen Bahn manchmal seeeehr wichtig! Sorry, liebe Offenbacher, das ist überhaupt nicht negativ über eure Stadt gemeint…). Schnell war die Misere des ausgefallenen Abholbahnhofs mit Frau Rebis abgeklärt und wir trafen uns in Offenbach am Bahnhof (das hätten wir uns nicht träumen lassen, dass wir beide am selben Tag gemeinsam das erste Mal in Offenbach sind! Örgs.). Mit dem neu betankten Auto und zwei alkoholfreien Willkommensbieren machten wir uns schwatzend auf den Weg in ihr kleines Dorf. Es folgte eine willkommene Oase mit Quatschen bis tief in die Nacht, Klavier- und Cellomusik und einem wunderbaren Spaziergang in der nun endlich aufgetauchten Frühlingssonne bei wunderbar milden Temperaturen. Der erste Wiesen-Strauß des Jahres wurde gepflückt, die kleine, wunderbare Tochter des Hauses gab den Anstoß und da ich solche Sträuße über alles liebe… naja, das ist vielleicht zu privat. 😉

Am Mittag machte ich mich dann mit der S-Bahn auf nach Mannheim, wo ich wieder Orchesteranschluss fand. Frau Rebis kam später nach und lauschte uns im Rosengarten-Konzertsaal. Allein, dass sie da unten saß und zuhörte, machte dieses Konzert für mich besonders… nach dem Konzert saßen wir noch lange in einer gemütlichen „Ohrensessel“-Kneipe…

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Ein schöner Platz für den Ausklang eines wunderbaren Treffens.

An dieser Stelle muss ich Frau Rebis, die nur hier so heißt, in Wirklichkeit heißt sie ja ganz anders 😉 einfach mal „Danke“ sagen. Danke, dass der dünne „Twitterdraht“ schon so lange hält. Danke für so viele wunderbare Einblicke in dein Unterwegssein als Reisende mit Fahrrad und im Leben, als Lehrende und Begleitende, als Suchende. Danke,  dass ich ganz real bei euch sein durfte und überhaupt…

Am nächsten Morgen, einem Sonntag, gab es eine Lücke, der Vormittag war leer. Tja, was macht man da? Ich hätte natürlich in der Stadt mit Kollegen oder auch nur so ganz für mich allein herumgehen können… Ja… aber ich war neugierig und ich hatte mich verabredet mit einem treuen Twitter-Follower und sehr aktiven Blogger, der mich immer wieder mit ungewöhnlichen Sichtweisen verblüfft und dem ich oft viel zu wenig „hinterherlesen“ kann. Ich setzte mich in ein Café, was er vorgeschlagen hatte und nach einer Weile kam wirklich @mikelbower um die Ecke und setzte sich dazu.

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Durch „Kaffeetrinken“ auf Twitter habe ich schon viel entdeckt, jeden Morgen versuche ich, mit einem Bild aus meiner Umgebung (sei es zu Hause im Garten oder unterwegs) positiv in den Tag zu starten. Inzwischen wurde dieses Morgenkaffeebild ein schönes, tägliches Ritual und eine wahre Morgenoase. Dabei haben sich schon ganz ungewöhnliche „Fäden“ gesponnen. (Das Bild oben ist sehr zufällig entstanden, ich wollte eigentlich „nur“ den Kaffee und die Blümchen fotografieren, dass der Mikelbower da mit hinaufgerutscht ist… tja, Zufälle – ich hoffe, er nimmt es mir nicht übel, ich finde es ein ganz wunderbares Bild und außerdem ist er ja nur ganz unscharf zu erkennen. 😉

Wir tranken Kaffee (was ja auch auf Twitter eine der Hauptbeschäftigungen ist – prust –  ;), quatschten ein wenig über dies und das und nach einer Weile beschlossen wir, eine gemeinsame Runde durch die Stadt zu drehen. Am Theater ging´s vorbei, an falschen und echten Mozarttafeln, der Stadtbibliothek, dem Schloss und vielen anderen Punkten, immer hatte mikelbower etwas zu berichten, ich ahnte es ja schon vorher. Wunderbar, so eine Stadtführung zu bekommen und noch dazu wieder einen Twitterer ganz in echt kennenlernen zu dürfen. Danke! Es war mir ein Vergnügen und ich hätte niemals soviel über Mannheim erfahren wie durch ihn an diesem Vormittag. Das ist Twitter in seiner schönsten Form!

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Am Abend spielten wir in Wiesbaden im Kurhaus. Dieses wunderbare Haus, seine samtige Akustik und ein besonders gut aufgelegter Dirigent machten auch diesen Abend zu etwas Besonderem. (Wir, das MDR-SO spielten mit unserem Chefdirigenten Kristjan Järvi wie auch schon am Vortag Ausschnitte aus Tschaikowskys Snegurotschka, Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4 mit dem Pianisten Denis Kozhukhin und Beethovens Fünfte.)

Durch die Reaktionen auf meine begeisterten Tweets von diesem schönen Ort merkte ich, dass ich auch da wieder ganz besondere Menschen hätte treffen können… aber: Ich hab´es ja nicht geahnt…

Ein Gedanke zu “Ich hab´es ja nicht geahnt…

  1. Liebe Susanne,
    erst einmal ein liebes Danke zurück – es war wunderbar, dass Du hier warst! Und letztes Jahr die Übernachtung bei Euch mit dem weinigen Feuer – die vergesse ich nicht, hach! (Sie hat schon Recht, die kleine Tochter, wenn sie nächstes Mal zu Dir mitkommen möchte:))
    Dass Du mir schon seit dem Grenzradweg hinterherliest, war mir gar nicht bewusst. Stimmt, damals habe ich mit dem Twittern angefangen …
    Aber was ich noch erwähnen möchte: Wir trafen uns vorher noch in Leipzig, letztes Jahr am Rande des Bachfestes, und ich hörte Dich dort schon einmal:)
    Vorgestern übrigens fuhr ich wiederum durch ein Offenbach, ein noch kleineres, in der Pfalz, ich musste ganz sehr an unseren Freitagabend denken;-)
    Hab einen guten Sonnentag und sei lieb gegrüßt
    Frau Rebis

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