Auf den Spuren eines Baches

Ich weiß gar nicht mehr, wie die Idee zu dem Programm BAROCK & KLASSIK entstand, irgendwie stieß ich bei der Suche für eine bestimmte Besetzung, die sich vor zwei Jahren für nur ein Konzert für eine gute Sache zusammengefunden hatte, auf die Quintette von Johann Christian Bach. Die Besetzung diktierte es. Wir spielten ein Benefizkonzert, das flott auf die Beine gestellt wurde und ahnten nicht, dass es uns länger beschäftigen würde. Wie das so ist, man zieht an einem Zipfel der Musikgeschichte und heraus fallen wunderbare Geschichten. So ging es mir mit der Lebensgeschichte des jüngsten Bachsohnes, also des Sohnes von Johann Sebastian Bach, in Leipzig ja der „richtige“ Bach. Dass es weitaus mehr „Bäche“ und darunter viele wunderbare Musikerpersönlichkeiten, gibt, fällt bei diesem JSBach leicht mal hinten runter. Wir, die sechs beteiligten Musiker beschlossen, das Programm für die Kammermusikreihe im MDR-Würfel vorzuschlagen und nun ist es soweit. Im Vorfeld wollte ich ein wenig darüber erzählen und startete dazu ein kleines Experiment (es ist doch ziemlich umfangreich geworden, man möge es mir verzeihen).

Ich begann einen Monat vor dem Konzert mit einem Tweet und antwortete auf diesen Tweet an jedem weiteren Tag mit vier kleinen Fortsetzungstweets, heraus kam ein langer Threat (Grundlage war größtenteils ein Buch von Heinz Gärtner, „Johann Christian Bach, Mozarts Freund und Lehrmeister“). Ich war sehr neugierig, was passiert, ob und wie viele meiner Follower diese lange Serie entdecken, lesen, begleiten, ob man das überhaupt lesen kann… Was an Rückmeldungen kam, war in den allermeisten Fällen sehr positiv und jeden Tag kamen mehr Leser hinzu. Nur einmal wurde ich aufmerksam gemacht, dass ich bitteschön immer gut „hashtagen“ solle, damit man muten kann, denn das interessiere ja niemanden. Bitte, es ist doch jedem freigestellt, ob er/sie es liest, ich habe kein Problem damit. Natürlich bekommt man auch Desinteresse mit, aber das nicht alles jeden Geschmack trifft, ist doch ganz klar. Ich wollte nur davon erzählen, was mich begeistert und irgendjemanden interessiert es ja dann doch. Bei einigen Reaktionen merkte ich, dass es nicht einfach war, den Threat in der richtigen Reihenfolge zu finden, aber großenteils war ich begeistert, was auf Twitter so alles möglich ist, wie es entdeckt wird und was daraus gelesen wird. Ich hoffe, ich konnte ein wenig „vorfreudige“ Aufmerksamkeit schaffen (und auch ein bisschen für das Konzert werben, ja, wat mutt dat mutt 😉 Es war für mich eine Freude, so zu erzählen. (Keine Sorge, ich werde nicht gleich wieder so „massiv“.)

Für alle, die nicht twittern, es aber vielleicht doch lesen möchten, seien hier alle Tweettexte noch einmal in der Reihenfolge mit Datum zusammengefasst, es liest sich vielleicht komisch, aber das gehört zum Experiment dazu. Einige Antworten finden sich auf Twitter dazwischen, die habe ich hier natürlich weggelassen, ich verlinke dennoch zum Anfangstweet (auch wenn darunter möglicherweise nicht alles zu lesen ist.) Die Bilder habe ich hier weggelassen, es muss ja auch noch einen Anreiz geben, mitzutwittern…. 😉 Danke für´s Lesen, Begleiten, Kommentieren… Aushalten! Es war mir selbst ein Vergnügen, mich JCBach, dem „Meister des singenden Allegro“ auf diese Weise weiter zu nähern und ich hoffe, vielen anderen auch. Das war sicher nicht meine letzte Begegnung mit ihm.

Und eh ich´s vergesse: Herzliche Einladung zum Konzert! (Bei Interesse daran, aber zu weiten Wegen, zu spät gelesen… laden Sie uns doch ein, vielleicht spielen wir bei Ihnen mal so ein nachgestelltes Fast-„Bach-Abel-Concert“… 😉

 

Heute in einem Monat: 8.12., Leipzig, MDR-Würfel – Würfelspielkonzert BAROCK & KLASSIK (8.11.17)

Eingerahmt wird das Programm von zwei Stücken von Johann Christian Bach, dem jüngsten und leider seltener gespielten Bachsohn. An dieser Stelle möchte ich ihn jeden Tag ein wenig „vorbeleuchten“. (8.11.17)

„Ich liebe ihn, wie sie wohl wissen, von ganzem Herzen – und habe Hochachtung für ihn.“ Der 22jährige Mozart über Johann Christian Bach an seinen Vater. (9.11.17)

Johann Sebastian Bach wird am 5. September 1735, 50jährig, zum 18. Mal Vater. Am übernächsten Tag wird sein Sohn Johann Christian getauft, zwei Männer und eine Frau (!) stehen Paten. (10.11.17)

Johann… nach den beiden männlichen Paten: Johann August Ernesti, Rektor der Thomasschule und Johann Florenz Rivinus, Prof. der Rechte an der Uni Leipzig

Christian… nach der Patin Christiana Sybilla Bose, Kaufmannstochter (10.11.17)

Die Paten wurden von Johann Sebastian Bach wie immer mit Bedacht gewählt. Diese sind eine Mischung aus Geist & Geld, das erschien ihm wohl besonders wünschenswert für seinen Sohn. (10.11.17)

Johann Christian Bach wird in eine Zeit des Wandels in der musikalischen Welt geboren. (11.11.17)

Sein Vater und sein kunstvoller Kontrapunktstil wird 1737 im „Critischen Musikus“ von Johann Adolph Scheibe indirekt kritisiert, dem „Schönheit und Natürlichkeit“ fehle. (11.11.17)

1739 erscheint Matthesons „Vollkommener Kapellmeister“ mit 164 Paragraphen „Von der Kunst, eine gute Melodie zu machen“, ein Seitenhieb gegen den „Kontrapunktiker“ Joh. Seb. Bach als führenden Vertreter. (11.11.17)

So schreibt Mattheson: „Es fällt alles gleich auf die Vollstimmigkeit, und den allergeübtesten Setzern fehlet es bisweilen in ihrer Arbeit an nichts so sehr als an der Melodie.“ „Alles muss gehörig singen!“ (11.11.17)

Ersten musikalischen Unterricht erhält Christian sicher durch die Eltern, später auch durch Elias Bach, einem Verwandten, er wächst in einem außergewöhnlichen Elternhaus auf. (12.11.17)

Seine Stiefbrüder Friedemann & Emanuel sind oft zu Besuch, sorgen mit anderen Gästen für vielfältige erste musikalische Eindrücke bei Johann Christian. (12.11.17)

So berichtet Emanuel stolz: „Es reisete nicht leicht ein Meister in der Musik durch diesen Ort, ohne meinen Vater kennen zu lernen und sich vor ihm hören zu lassen.“ (12.11.17)

Ziemlich bald wird er die Tänze aus dem „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ hoch & runter gespielt haben. Auch sein erster Kompositionsversuch findet sich in diesem Büchlein. (12.11.17)

1750… Christian ist er 14. Sein Vater Johann Sebastian Bach stirbt. Noch zu Lebzeiten schenkte er Christian 3 Claviere (für seine Stiefbrüder schwer zu akzeptieren). (13.11.17)

Christian übersiedelte nach Berlin zum älteren Stiefbruder Emanuel und erhält eine exquisite Pianistenausbildung von ihm. (13.11.17)

Carl Philipp Emanuels „Versuch über die wahre Art, das Clavier zu spielen“ erscheint 1753, galt bald als das Evangelium für Pianisten seiner Zeit. (13.11.17)

…auch Christian profitierte sicher davon, dass während seines Aufenthaltes diese Schule geschrieben wurde. Er genoss zudem die musikalische Vielfalt in Berlin. (13.11.17)

Italienerinnen in Berlin! Sängerinnen. Bekanntschaften. Vielleicht Liebschaften… Sie kehren nach Italien zurück. Johann Christian Bach zieht mit! Nach Mailand… um dort eine Festanstellung zu bekommen, braucht er ein kirchenmusikalisches Amt. Im katholischen Italien! (14.11.17)

Zunächst studiert er den traditionellen Kirchenstil bei Padre Martini in Bologna und tritt zum katholischen Glauben über (seine Familie wird das wohl nie verziehen haben) (14.11.17)

1760 wird er zweiter Organist am Mailänder Dom und Kapellmeister der Kirche Santa Maria di Caravaggio. Er schreibt „Kirchenmusik mit Ohrenkitzel“ und erste Opern. (14.11.17)

Es folgt ein kometenhafter Aufstieg in ganz Italien. Er schreibt weitere Opern für das „Teatro Regio“ in Turin & „Teatro San Carlo“ in Neapel und erlangt den Ruf eines „bedeutenden Capellmeisters“. (14.11.17)

In Neapel pflegt Johann Christian ein lockeres Leben, wird leichtsinnig & übermütig… bald wird er in Mailand der Amtsvernachlässigung bezichtigt. (15.11.17)

Drei Jahre nach Handels Tod erhält der 26jährige vom Londoner King´s Theatre am Haymarket das Angebot, zwei Opern zu komponieren. (15.11.17)

In Mailand reicht er ein Urlaubsgesuch ein & geht nach London… wenn man bedenkt, wie schwer sich Mozart mit Opernaufträgen & -erfolgen tat… Sehr mutig von Johann Christian Bach!! (15.11.17)

Aus zwei werden vier Opern, er bleibt in London und wird ein Star der Londoner Opernszene… Das Porträt, gemalt von seinem Freund Gainsborough, erbat sich sein alter Lehrer Padre Martini nach Bologna. (15.11.17)

Johann Christian Bachs Kompositionsstil zeichnet eine Verbindung von natürlicher & eleganter Melodik und gründlicher Harmonik aus. (16.11.17)

Deutlich wird das väterliche Erbe & die Achtung davor, die Schule des Berlinaufenthalts und die italienischen Studien. Drei verschiedene Prägungen… (16.11.17)

Franz Bendas Musizierstil, der böhmisches Musikantentum nach Berlin brachte, hinterließ bleibenden Eindruck bei Christian. Johann Joachim Quantz verstand es, alte & neue Stilelemente zu verbinden. Johann Christian Bach sog alles auf. (16.11.17)

So ist es nicht verwunderlich, dass in London sein gediegener Orchestersatz, Reichtum der Instrumentation, Ausdruckskraft der Rezitative und die Melodieführung gerühmt werden. Als einer der ersten bringt er das Pianoforte an den Londoner Hof. (16.11.17)

Prinzessin Sophie-Charlotte von Mecklenburg-Strehlitz, die Johann Christian Bach noch aus seiner Berliner Zeit kennt, wird Königin von England. Christian wird als Musikmeister der Königsfamilie gebeten. Instrumentalmusik ist gefragt… (17.11.17)

…und auch die „Pleasure gardens“, die Vergnügungsgärten Ranelagh & Vauxhall, in denen fast pausenlos locker-leichte Konzerte stattfinden, haben enormen Bedarf an Sing- & Instrumentalstücken. (17.11.17)

Schon Händel schrieb für derlei Anlässe und auch Johann Christian Bach ist sich dafür nicht zu schade, wird durch seine Kompositionen neuer Liebling der Gesellschaft & der Königsfamilie, die allerdings sehr zurückgezogen lebt. (17.11.17)

Johann Sebastian Bachs jüngster Sohn tritt in die Fußstapfen von Händel! Vater Bach wäre sicher stolz gewesen, hielt Händel doch zeitlebens Distanz zu ihm. (17.11.17)

Johann Christian Bach lebt in London in einer Junggesellenbude, teilt sich eine Wohnung mit seinem 12 Jahre älteren Freund Carl Friedrich Abel (die Väter trafen sich einst in Köthen, Vater Bach war Pate einer Tochter der Familie). (18.11.17)

Abel war Thomasschüler in Leipzig und hervorragender Gambist an der Dresdner Hofkapelle, hat den alten & neuen Stil sozusagen an den Quellen studiert. (18.11.17)

Abel kommt in Europa weit herum, da er Dresden den Rücken kehrt (sehr geringer Verdienst), landet schließlich in London & organisiert mit Johann Christian Bach ein besonderes Konzert, dem weitere folgen… (18.11.17)

Die legendäre Bach-Abel-Concerts werden zu einer Attraktion, bahnbrechend bedienen sie einen neuen bürgerlich-großstädtischen Musikmarkt in London. (18.11.17)

1764 weilt der 8jährige WAMozart mit seiner Familie für 1 1/2 Jahre in London und möchte den 30jährigen JCBach treffen. Christian widmet sich auf sympathische Weise dem kleinen Wolfgang, eine Seelenverwandtschaft titt wohl zu Tage… (19.11.17)

“Herr Johann Christian Bach lehrmeister der Königin, nahm den Sohn (sie meinte Wolfgang) zwischen die Füsse, jener spielte etwelche Tact, dann fuhr der andere fort, und so spielten sie eine ganze Sonaten und wer solches nicht sahe, glaubte es wäre solche allein von einem gespielt…“ so Nannerl (19.11.17)  

Leopold Mozart erkrankt schwer, Wolfgang skizziert in einem Büchlein. JCBach wurde sein Lehrer, die Mozart-Forscher de Wyzewa/deSaint-Foix schreiben von einem „Lebensabschnitt, in dem es (er) eine ungeheure Zahl von Fakten aufnimmt…“ (19.11.17)    +Bild

„…geht der Wechsel vom romantischen Lernen zum gezielten Lernen vor sich.“ Wolfgang Amadeus Mozart zieht es sowohl menschlich als auch musikalisch zu JCBach, dem „charmanten Musiker und zugleich gütigsten Menschen“, auch sein Vater Leopold ermuntert ihn ausdrücklich dazu. (19.11.17) 

So kommt es, dass WAMozart drei Sonaten JCBachs zu Klavierkonzerten umarbeitet, er schätzte sie sehr, auch noch Jahre später versah er sie noch mit neuen Kadenzen. (20.11.17)

Die Mozart-Forscher Théodore Wyzewa und Georges Saint-Foix charakterisierten es so: „Der Einfluss auf Mozart war enorm. Er (Mozart) hat nichts hinzugefügt außer seinem eigenen Genie – dem Geheimnis einer noch vollkommeneren Schönheit“. (20.11.17)

„Auch wenn spätere Eindrücke den Einfluss Bachs noch überlagerten, ist Mozart doch sein direkter Nachfolger geworden…“ Wyzewa/Saint-Foix (20.11.17)

Ludwig Finscher sieht Ähnliches: JCBach habe das Unglück gehabt, den Mozart-Stil wie kein anderer zu antizipieren, „so dass seine Werke wie blasse Imitationen wirkten“, obwohl er einer der ersten Repräsentanten „europäischer Universalität“ gewesen sei. (20.11.17)

Johann Christian Bach verlegt nach einigen Manager-Querelen an der Oper seine Konzentration mehr & mehr auf das Instrumentalkonzert… (21.11.17)

Abel & Bach verlegen ihren Wohnsitz in die vornehme Wohngegend Soho und am 23.1.1765 fand dort im Carlisle House das erste der später berühmten „Bach-Abel-Concerts“ statt. (21.11.17)

Jeden Mittwoch folgten nun Konzerte, jährlich in der Saison von Januar bis Mai im Carlisle House, von Mrs. Cornelys, ehemals Sängerin, gemanagt. Es gehörte zum guten Ton, einem Opernabend am Dienstag einen Konzertabend am Mittwoch folgen zu lassen. (21.11.17)

Für 5 Guineen war der Konzertbesuch im heiß umkämpften Abonnement zu haben. Es war ein gepflegtes Niveau garantiert, diese Abo-Konzerte waren die ersten ihrer Art in Europa. (21.11.17)

JCBach hatte sehr viel zu tun. Er musste Kompositionen liefern für die Bach-Abel-Concerts, die er auch großteils dirigierte, Musiker mussten engagiert werden, seine Oper (7 Aufführungen) erforderte seine Aufmerksamkeit. (22.11.17)

So engagierte er neben anderen hervorragenden Instrumentalisten auch den 23jährigen Francois-Hippolyte Barthélémon aus Bordeaux, dem späteren Konzertmeister am King´s Theatre. (22.11.17)

Er muss mit einem sehr schönen Geigenton gespielt haben, der 3jährige Prinz of Wales sagte einst zu seinem Vater, dem König: „Gewiss hat Herr Barthelemon eine Flöte in seiner Violine versteckt, Papa!“ Er suchte die Geige ab, aber die Flöte war nicht zu finden. (22.11.17)

Die Mozarts wohnten ebenfalls in Soho, bekamen den Erfolg der Bach-Abel-Concerts zu spüren und mussten auf zweitklassige Konzertsäle ausweichen. Bach verhinderte (wohl eher unabsichtlich) durch das Ankurbeln seines eigenen Unternehmens den Londonder Erfolg der Mozarts. (22.11.17)

Im Schatten der sehr erfolgreichen Bachschen Opernpremiere des „Adriano“ im King´s Theatre und der Bach-Abel-Concerts waren die Londoner nicht recht für Wunderkinder zu begeistern, ein finanzielles Desaster für die Mozarts. (23.11.17)

Bereits im zweiten Jahr war die Nachfrage so groß und es wurde von 6 auf 15 Konzerte erhöht, gleichzeitig musste man die Abonnentenzahl der Bach-Abel-Concerts beschränken, was die Nachfrage umso spannender machte. Es lief großartig! (23.11.17)

An den Opern brodelte es, die italienische Oper am King´s Theatre bekommt vom Covent Garden Theatre Paroli geboten, wo mit komischen Opern einheimischer Komponisten ein Gegengewicht gespielt wird. Auch JCBach schreibt einige Arien dafür. (23.11.17)

Am King´s Theatre war das nicht gern gesehen. Die italienische Oper befand sich im Sinkflug in London. Anderes war wichtiger geworden, der Geschmack wandelte sich schnell, da musste man am Puls der Zeit bleiben, JCBach erkannte das. (23.11.17)

Der Hof besuchte 1764 die „Bettleroper“, das Covent Garden Theatre, ein gewagtes Unternehmen, waren doch schrille, sozialkritische Töne & schonungsloses Anprangern der Macht an der Tagesordnung und brachte Unruhen im Volk. (24.11.17)

Der König und seine Familie lebte durch eine zeitweise auftretende Geisteskrankheit sehr zurückgezogen, zeigte sich nur selten. Die Mozarts konnten von dieser Seite nicht mehr viel erwarten. (24.11.17)

All das beunruhigte Leopold Mozart, ein letztes Konzert der Kinder am 13.5.1765 brachte nicht den gewünschten finanziellen Erfolg. „Wegen der Menge der Plaisiers, die hier zum Müde werden sind.“ (L.Mozart) (24.11.17)

WAMozart komponierte noch eine vierhändige Sonate (KV19d), die sich gut verkaufte, ansonsten nutzte Leopold nutzt die Flaute dazu, die vernachlässigte Allgemeinbildung seiner Kinder zu fördern. London ist dafür hervorragend geeignet. (24.11.17)

Bei WAMozart hinterließ sowohl die Bettleroper als auch die Unruhen dahinter sowie das Londoner Leben allgemein tiefe Spuren, vieles in seinen Werken erinnert daran. (25.11.17)

…es war ein Glücksfall, dass diesem begabten Kind WAMozart in dieser entscheidenden, prägenden Phase seines Lebens all das begegnete… seine ersten Sonaten erschienen gedruckt, ein selbständig geführtes Skizzenbuch entsteht, eigene Konzerte… (25.11.17)

…von JCBach lernte er so viel… vom Komponieren bis hin zu Konzertorganisation/durchführung. Manzuoli lehrte ihn in London umfassend italienische Gesangskunst. Die außerordentlich reiche musikalische Vielfalt Londons, damals einzigartig in Europa, prägte ihn. (25.11.17)

Am 1.8.1765 verlassen die Mozarts England und reisen weiter nach Den Haag. Einige Male nahm WAMozart Anlauf wiederzukommen, Mozart träumte davon, bezeichnete sich als „Erz-Engelländer“, es kam nicht dazu, er hat London und JCBach nie wieder gesehen. (25.11.17)

JCBach zählt leider zu den Komponisten, die zu Lebzeiten beliebt, ja berühmt waren, die diesen Ruhm aber nicht in die Nachwelt retten konnten. Schon zu Lebzeiten wurden seine Werke raubkopiert und verändert weitergegeben. (26.11.17)

So erhielt er bereits im Dezember 1763, er war erst 1 ½ Jahre in London, vom König einen Schutzbrief (Text siehe Bild). Urheberschutz anno 1763!! (26.11.17)

Bach musste sich zeitlebens mit Eigenmächtigkeiten von Verlegern abfinden, so wurden identische Opuszahlen für verschiedene Werke genutzt, die englischen und die kontinentalen Verlage stimmten sich nicht ab… es entstand ein einziges Wirrwarr. (26.11.17)

Allzu schlimm fand JCBach das wohl nicht, er kümmerte sich kaum darum, verbrachte dafür viele vergnügliche Abende mit Künstlern (u.a. Abel, Gainsborough, Reynolds), wo man sich bis weit nach Mitternacht mit Malen, Musik und Konversation (…und viel Alkohol) unterhielt. (26.11.17)

Und damit komme ich schon zu einem Lieblingsteil und einem besonders reizvollen Kapitel dieser Geschichte um JCBach. 😉 …zu einer sehr innigen Verbindung von Malerei und Musik… (27.11.17)

Thomas Gainsborough, berühmter Portraitmaler, der lieber Landschaften malen wollte und gern musizierte, war überall dort zu finden, wo gute Musik gemacht wurde (und wo reichlich Alkohol getrunken wurde). Abel lernte er ca 1761 kennen, JCBach ca.1763… (27.11.17)

„Gainsboroughs Beruf war die Malerei, und die Musik war sein Steckenpferd. Doch gab es Zeiten, da schien die Musik sein Beruf zu sein und die Malerei seiner Zerstreuung zu dienen.“ William Jackson – Gainsborough spielte Viola. (27.11.17)

Gainsborough hatte eine Familie zu ernähren, deshalb dachte er sehr praktisch und tat das, womit man damals einzig Geld verdienen konnte, er malte Portraits. Natürlich auch von seinen Freunden JCBach, Carl Friedrich Abel und dem Oboisten Johann Christian Fischer. (27.11.17)

Gainsborough schrieb einmal: „Man kann als Maler große Dinge tun und dennoch Hungers sterben, wenn man nicht die eigenen Absichten zurückstellt, indem man Themen wählt, die die Masse wünscht und auch bezahlt.“ (28.11.17)

Eine famose Ideenschmiede hatten die Freunde abseits des „Geldverdienenmüssens“ da, an den nach außen sehr feuchtfröhlich, oft jenseits aller Sinne und manchmal in der Gosse endenden Abende wurden sehr viele Themen diskutiert und Vorhaben geschmiedet. (28.11.17)

Das reichte von der Diskussion über die noch nicht ausgereifte Erfindung eines Farbenklaviers über lustige Wetten (später mehr) bis hin zu einer raffinierten Ausgestaltung eines Konzertsaales, den Bach und Abel bald am Hanover Square kauften (auch dazu später noch einmal mehr). (28.11.17)

Gainsborough, Bach und Abel zählten nicht zu den intellektuellen Vertretern ihrer Kunst, vielmehr waren es Praktiker, die viel und freudig herumpobierten, was ihnen und den Leuten gefiel, heraus kam dabei eine Leichtigkeit, bei der Musik & Malerei in schönster Einheit Hand in Hand gehen. (28.11.17)

Wieviel Spaß bei diesen Abenden im Spiel war, zeigt folgende kleine Geschichte einer Wette, von #JCBach angezettelt: Er wettete fünf Guineen, dass Johann Christian Fischer nicht in der Lage sein würde, sein eigenes Menuett auf seinem eigenen Instrument zu spielen. (29.11.17)

Fischer, europaweiter Oboenstar war natürlich überzeugt, dass er es könne, hat er doch weitaus schwierigeres gespielt, was ist da schon ein Menuett! … doch wieso war #JCBach so sicher, dass er die Wette gewinnt? (29.11.17)

Nun… #JCBach stellte sich nach einigen Takten vor ihm auf und saugte so intensiv an einer Zitrone, dass ihm der Saft übers Kinn herunterrann… jeder Bläser weiß, was nun passiert… (29.11.17)

Fischer ist nicht bis zum Ende des Menuetts gekommen, weil ihm das Wasser im Mund zusammenlief und er keinen vernünftigen Ton mehr blasen konnte. #JCBach war um 5 Guineen reicher. (29.11.17)

JCBach und Abel waren auf der Suche nach einer neuen Harmonie der Farben und Töne, aber immer am Puls der Leute, wohl wissend, dass sie von deren Gunst und Geld leben mussten. (30.11.17) +Morgenbild und Bildunterschrift

Nicht nur einmal muss sich Gainsborough selbstironisch geäußert haben, dass er für die Portraits den Leuten nur „das Geld aus der Tasche lockte“ und JCBach muss im Freundeskreis auch zuweilen, am Klavier phantasierend geäußert haben: „So würde Bach komponieren, wenn er dürfte…“ (30.11.17)

Es war eine Gratwanderung, Erfolg war im London der damaligen Zeit schnell verflogen, aber sie hatten das Geschick, die Gunst der Leute über mindestens zwei Jahrzehnte zu erhalten, was viele Zeitgenossen beeindruckte und sie bewog, sich der illustren Runde anzuschließen. (30.11.17)

Von Mozart heißt es, er habe „von nun an (seit seinem Londonaufenthalt) einen unwiderstehlichen Drang verspürt, in Schönheit zu leben.“ (30.11.17)

JCBach & Abel kauften also einen großräumigen Konzertsaal am eleganten Hanover Square, das Haus „Almack´s“ war allerdings mit einigen Bau und Schönheitsfehlern behaftet. Feuchtigkeit und Nässe drangen durch minderwertige Ziegel ein und sorgen für Gesprächsstoff und Spott. (1.12.17)

Den Bach-Abel-Concerts bereitet das allerdings vorerst keinen Schaden, der Zulauf ist enorm und endlich finden alle Platz, die ein Abonnement haben möchten. JCBach setzt nun auch erstmals in London das neu erfundene Pianoforte als Soloinstrument ein. (1.12.17)

Gainsborough stattet den Saal mit Gemälden aus, allesamt transparent und von hinten zu beleuchten, dadurch ist eine ausreichende Beleuchtung ohne sichtbare Lüster und Kerzen möglich. (1.12.17)

JCBach & seine Freunde versuchen also die Realisierung einer Art Gesamtkunstwerk, ein Versuch der Verbindung der Künste, immer im Bestreben, das Publikum ungemein elegant zu unterhalten und alle Sinne anzusprechen. (1.12.17)

Dieser einmalige Zusammenklang von Gemälden, Figuren und Musik muss überwältigend gewesen sein. Einige Damen kamen forderten allerdings lautstark die Entfernung der transparenten Gemälde, da sie sich unvorteilhaft beleuchtet fanden und sich an ihrem fahlen Aussehen störten. (2.12.17)

Eine andere Dame soll allerdings nach der Entfernung enttäuscht ausgerufen haben: „Was, Apollo und die Musen sind gegangen?“, worauf JCBach erwiderte: „Apollo und die Musen haben zwar ihre bisherige Stellung aufgeben müssen, Madame…“ (2.12.17)

„…aber sie haben uns nicht verlassen. Wenn das Konzert beginnt, werden Sie die Musen alle wieder hören, hoffe ich!“ Viele Damen waren allerdings wohl noch nicht für derlei „schönheitsgefährdenden“ Experimente zu haben. (2.12.17)

Die Einnahmen im neuen Saal sind groß, zeigen jedoch bald einen sinkenden Trend. Was wie unternehmerischer Mut aussieht, war zunehmend Übermut oder sogar Leichtsinn, es gab sehr viel wachsende Konkurrenz. (2.12.17)

Den Damen war JCBach zeitlebens sehr zugeneigt, nur die Dame für´s Leben hatte er noch nicht gefunden. Für Cecilia Grassi, eine italienische Neuverpflichtung des King´s Theatre schreibt er einige Arien, u.a. für eine aufsehenerregende Aufführung von Glucks Orpheus. (3.12.17)

Ein Besuch erregt Aufmerksamkeit. Familie Wendling aus Mannheim (Vater Joh. Baptist Wendling, Flötist, seine Frau und vor allem die bildhübsche Tochter, beide Sängerinnen, reisten mit) überbringen an #JCBach eine Einladung & Opernkompositionsauftrag des Kurfürsten Karl Theodor. (3.12.17)

Über Wendling schreibt Kritiker: „Er ist stolzer darauf, das Schöne und Rührende hervorzubringen, als das Schnelle, Schwere, Überraschende.“ Ein Musiker ganz nach dem Herzen von JCBach (auch Mozart macht für ihn später eine Ausnahme und schreibt für die von ihm ungeliebte Flöte). (3.12.17)

JCBach reist mit Familie Wendling nach Mannheim, umwirbt die Tochter. Seine Oper „Themistocle“, pompös und kostenintensiv dargeboten am Mannheimer Hof, wird ein großer Erfolg. Alles andere ist eine herbe Enttäuschung. (3.12.17)

Die Tochter der Wendlings wird Mätresse des Kurfürsten Karl Theodor. Bach verlässt sofort tief enttäuscht Mannheim und kehrt nach London zurück, wo er die nächste Saison der Bach-Abel-Concerts beginnt. (4.12.17)

Eventuell besuchte er in Deutschland noch seine Brüder bzw. Stiefbrüder, aber man weiß es nicht. Das Verhältnis war nicht besonders gut, die Brüder äußerten sich sehr abfällig über #JCBach, bis auf Friedrich, den „Bückeburger Bach“. (4.12.17)

Friedrich besuchte ihn später in London, änderte nach diesem Besuch seinen Kompositionsstil (dass man von Vor-London und Nach-London in seinen Werken sprechen kann) und gab gar seinen Sohn Wilhelm Friedrich Ernst in die Lehre bei JCBach. (4.12.17)

#JCBach heiratet die Sängerin Cecilia Grassi (es gibt Tratsch über die Gründe, eine nicht mehr junge und auch nicht mehr sehr hübsche Frau zu heiraten, einige unterstellen ihm, es nur wegen dem Geld zu tun, was aber wohl nicht stimmte.) (4.12.17)

JCBach & Abel müssen einen weiteren Teilhaber ins Boot holen, um die gewaltigen Kosten der Bach-Abel-Concerts weiterhin stemmen zu können. John Andrea Gallini hat wohl allerdings eher die leichten Vergnügungen im Sinn als hochwertige musikalische Konzerte. (5.12.17)

Die Bach-Abel-Concerts waren bald ein Minusfaktor im Gesamtpaket, die Einnahmen dieses Teils sanken drastisch, Abel zog sich ganz aus der Partnerschaft zurück. JCBach kam zwischen Musikunterricht bei der Königsfamilie und allen anderen Aktivitäten ein wenig ins Straucheln. (5.12.17)

Einmal vergaß JCBach, dass er eine Komposition für ein Konzert bei der Königin beisteuern musste und schrieb es kurz vor der Probe auf, zwei Kopisten standen für das Stimmenschreiben bereit. Es handelt sich um das Es-Dur-Quintett Op.11, Nr.4. (5.12.17)

Mrs. Papendiek, eine gute Freundin, schrieb darüber: „ein Quintett mit einer süßen, einschmeichelnden Melodie, das zu den besten aus seiner Feder zählte.“ (am 8.12. wird es das Schlußstück sein) (5.12.17)

#JCBach wird umworben, nach Italien zurückzukehren, man erwartete ihn im Frühsommer 1774 am San Carlo Theatro, wollte ihn dort verpflichten. Er kam nicht, er schrieb, dass ihn unerwartete Umstände daran hindern. (6.12.17)

Vier Jahre später, 1778, fährt er nach Paris (dort ist seine Musik weit verbreitet, wird in sehr vielen Konzerten gespielt, liegt gedruckt vor, wenn auch oft fehlerhaft). JCBach soll einen Streit mit einer Oper von ihm „entschärfen“. Mozart (22) ist in Paris, muss den Tod der… (6.12.17)

…Mutter verwinden. #JCBach macht Mozart vermutlich ein Angebot, nach London zu kommen, das wird von Leopold mit allen Mitteln versucht, zu verhindern. Es klappt, Mozart kehrt nach Salzburg zurück, sieht Bach nie wieder, aber 2 Jahre später bricht er mit dem Vater, geht nach Wien. (6.12.17)

#JCBach schreibt, nachdem er die Sänger in Paris begutachtet hatte, die Oper „Amadis de Gaule“, die am 14.12.1779 über die Pariser Bühne ging und versuchte so, einen Streit zwischen Gluck, Piccini und der Pariser Oper mit etwas Neuem zu beenden. (6.12.17)

An der Oper wird es nicht gelegen haben, dass #JCBach den Parisern keine neuen Impulse geben konnte, die Oper wurde oft gespielt & auch 200 Jahre später noch in Hamburg inszeniert. Mozart ließ sich vermutlich unter anderem davon zu seiner Königin der Nacht inspirieren. (7.12.17)

Ein zweiter Opernauftrag aus Paris folgte, #JCBach schrieb auch daran, aber entweder gesundheitliche Umstände oder die wirtschaftliche Lage verhinderten eine Fertigstellung und Aufführung. Bach war von seiner Haushälterin um ca. 1200 Pfund betrogen worden, das traf ihn hart. (7.12.17)

Die lange Abwesenheit in London wussten andere zu nutzen. Bei der Königsfamilie waren längst andere nachgerückt, Schüler waren abgeworben, den Konzerten liefen durch viele Konkurrenten die Abonnementen davon. Ein ausschweifendes Leben wollte finanziert sein, Schulden häuften sich an. (7.12.17)

Gesundheitlicher Verfall setzt ein, eventuell war zuviel Alkohol im Spiel, eine Luftveränderung macht sich nötig, er reist nach Paddington. Aber es steht ernst um ihn. Am 14.11.1781 macht #JCBach sein Testament und setzt seine Frau als Erbin ein. (7.12.17)

#JCBach hat in den letzten Wochen seine Freunde um sich, auch das eine Seltenheit im Leben vieler Künstler. Dennoch war der Tod am Neujahrstag 1782 für viele überraschend. Abel und Gainsborough waren nicht anwesend, auch nicht beim Begräbnis. (8.12.17)

Hochverschuldet (die Gläubiger stürmten quasi ins Totenzimmer) war es eine Katastrophe für die Witwe. Nur durch die Hilfe der Königin konnte sie nach Italien zurückkehren. Abel bekommt die Organisation von Benefizkonzerten alkoholkrank nicht mehr hin. (8.12.17)

Am 6.1.1782 wird #JCBach, noch nicht 47jährig auf dem St.-Pankratius-Friedhof in der Grafschaft Middlesex beerdigt. Eine ärmliche, einsame Beerdigung, anwesend sind nur 4 „Nichtmusiker“-Freunde, unter ihnen der Klavierbauer Buntebart. (8.12.17)

Mozart aber schreibt in Wien: wo „nichts gespiellt wird als Händl und Bach“ an seinen Vater: „Sie werden wohl wissen, daß der Engländer Bach gestorben ist? – schade für die Musikalische Welt!“ (8.12.17)

 

 

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