Genießen, lustwandeln… Schlossgenuss

Manchmal kommt ja viel zusammen… man denkt, dass eigentlich kaum Zeit übrig ist, man hat viele „Bälle“ gleichzeitig in der Luft und man weiß gar nicht, wo man zuerst anfangen soll, damit es vorwärts geht, wo es nötig ist… tja und dann ist da plötzlich so ein Feiertag, an dem vieles zusammenkommt, womit man am Morgen noch gar nicht rechnete… Ein Feiertag, an dem sich alle Familienmitglieder füreinander Zeit nehmen wollen; ein lange aufgeschobenes Treffen mit alten „Babyclub“-Bekannten (die Kinder sind inzwischen größer als wir, ups!, wie konnte DAS nur so schnell passieren?); ein für dieses Treffen ganz auf die Schnelle ausgesuchter Ort, wo man es sich zusammen gutgehen lässt; ein sich plötzlich aus Einheitsgrau in Strahlendblau verwandelnder Himmel, eine kleine Blogparaden-Ankündigung in der Kulturwelt und die immer vorhandene „Kulturneugier“… ich erzähle also mal:

Tanja Praske hat gemeinsam mit Schlösser und Gärten in Deutschland zur Blogparade #SchlossGenuss https://www.sgd-zu-tisch.de/de/blogparade-schlossgenuss/ aufgerufen. Eine prima Gelegenheit, über wunderbare Erlebnisse zu schreiben (Laufzeit 2.Mai bis 5. Juni 2018). In Sachsen (und ganz sicher nicht nur da) gibt es so viel (Schloss)Auswahl, es ist eine Freude, herumzustreunern und Schlösser samt Park und allem drum und dran zu erkunden und zu genießen, gerade in dieser schönen Jahreszeit. Ich freue mich schon jetzt auf viele schöne Beiträge und rufe zum munteren Mitmachen auf.

Wenn ich irgendwo zu einem Konzert unterwegs bin, sei es als Orchestermusikerin oder in Kammermusik-Dingen mit dem Duo Leggieramente bzw. neuerdings Ensemble Leggieramente, plane ich gern, so es mir möglich ist, ein wenig mehr Zeit ein, um in den Konzert-Orten noch ein wenig auf Entdeckungsreise zu gehen. Was habe ich doch für einen herrlichen Beruf! Ich genieße es immer wieder. Oft entdeckt man Wunderschönes… man sollte es wirklich weitertragen, über das Schloss in Wachau habe ich drüben im Leggieramente-Blog schon einmal geschrieben, aber da wusste ich natürlich noch nichts von der Blogparade, deshalb ist das vielleicht nur so bruchstückhaft ein Schlossgenussbeitrag. Es gibt ja außerdem so viel zu erzählen…

Ich möchte mich in diesem Artikel beschränken auf die Überraschungen dieses einen Mai-Feiertages, der so viel Schönes an einem von uns schon so häufig besuchten Ort ganz  in unserer Nähe bereithielt. Das Lingner-Schloss am Dresdner Elbhang mit seiner wunderbaren Biergarten-Terrasse und dem fantastischen Blick über die Elbe und Dresden, war wieder einmal als Treffpunkt auserkoren worden. Der Himmel bot anfangs noch morgendliches Einheitsgrau mit aufgehellten Momenten. Wir wollten eigentlich die Dampferparade unten auf der Elbe vorbeiziehen sehen, waren aber wieder einmal zu spät dran (Teenager-Eltern wissen, wieso 😉 – was muss das auch zu nachtschlafender Zeit stattfinden!) Naja, am frühen Nachmittag jedenfalls, kaum war das erste Glas leer, hellte sich der Himmel deutlich auf und strahlte bald in herrlichstem Blau. Da waren wir nicht weiter traurig, die Dampfer verpasst zu haben. (Herr Lingner, der sehr erfolgreiche Vermarkter eines bis heute berühmten Mundwassers, verfügte übrigens einst in seinem Vermächtnis, dass sein Schloss für alle Zeiten der Öffentlichkeit zugänglich sein müsse und eine Gastronomie vorzusehen sei, die nicht nur ein „Etablissement für reiche Leute“ sein soll und daran wird sich wirklich gehalten. Sehr löblich, denn es herrscht eine wohltuende Atmosphäre mit bester Aussicht. Immer im Angebot ein Getränk für 0,75€ – so hat er es niedergeschrieben, lediglich die Währung hat sich geändert.)

TerrasseLingnerschloss
Auf der Terrasse des Lingnerschlosses sitzt es sich ganz genussvoll.

Wir hatten uns viel zu erzählen, aber da wir alle gern lustwandeln, setzten wir uns irgendwann in Bewegung und es begann der nächste Teil des Schlossgenusses. Lustwandeln. Durch den Park des angrenzenden Schlosses Albrechtsberg. Der Flieder blühte, Duftschwaden und Niesalarm… was soll´s, es ist nur einmal Frühling im Jahr, da muss frau/mann durch. Wunderbare Blicke ergeben sich immer wieder in diesem weitläufigen Park, den ich schon seit Kindesbeinen an immer wieder durchstreife. Erst zum Vergnügen, im Sommer Abkühlung im inzwischen abgesperrten (weil baufälligen) „Nymphenbad“ suchend; als stolzer Schulanfänger, denn im „Pionierpalast“ waren die Schuleinführungen, auch wenn man gar kein Pionier war; dann später auch mal zwangsweise zum zweiwöchigen Schuleinsatz, um den Park unkrautfrei zu halten (welch sinnloses Unterfangen!) und wieder noch später, auf meine große Tochter wartend, die, seit sie noch sehr klein ist, im Torhaus bei der Tanzbühne der Jugendkunstschule Dresden tanzt und immer wieder mit Freunden zum Vergnügen, wann immer ich Zeit habe.

Wir bummelten durch den Park, erzählten viel und waren irgendwann wieder am Lingnerschloss (man driftet quasi hindurch durch die Parks der drei Elbschlösser Schloss Albrechtsberg, Lingerschloss und Schloss Eckberg. Alles ist sehr nah beieinander, die Mauern bieten Durchgänge, ein wunderbarer Sonnstags- oder Feiertagslustwandelspaziergang mit feinen Ausblicken.

Am Lingnerschloss zog es uns förmlich auf die Dachterrasse. Ein herrlicher Ausblick weit ins Land bietet sich da. Den Elbbogen zu Füßen kann man bis weit in die Sächsische Schweiz und ins Osterzgebirge schauen. Die nähere Beschreibung der Geschichte der Schlösser würde hier den Rahmen sprengen und ist ohnehin sehr gut nachlesbar.

Terrassenaufgang
Der Aufgang zur Dachterrasse auf dem Lingnerschloss.
Elbevonoben
Ausblick von der Dachterrasse des Lingnerschlosses

Zur Zeit sind in der neurestaurierten Belle Etage des Lingnerschlosses Bilder von Otto Altenkirch (1875-1945) zu sehen (Ausstellung noch bis 17.6.2018). Otto Altenkirch war ein spätimpressionistischer Landschaftsmaler, der sich in seinem Schaffen in über 40 Jahren mit Landschaften im flüchtigen Wandel von Zeit und Licht am Dresdner Heller, im Muldental bei Siebenlehn und seinem Geburtsort Ziesar beschäftigte. Wir tauchten förmlich ein in die Bilder, ein kleiner Kurzurlaub… Schlossgenuss. Die Zeit dieser kleinen Ausstellung ist zeitlich begrenzt, aber da die Belle Etage nun wieder hergerichtet ist (lange wurde am Schloss renoviert und die Räume waren meist nur am Tag der offenen Tür zugänglich), werden die nächsten Ausstellungen nicht lange auf sich warten lassen. Auch dieser Umstand ist noch ein Grund mehr, immer wieder zu kommen und zu genießen.

Freunde treffen, sich kulinarisch verwöhnen lassen, lustwandeln, Kunst im Schloss (die nicht sehr oft zu sehen ist) schauen, Vergangenem nachspüren, Geschichte reflektieren, über die Zukunft diskutieren, den Horizont im Blick, den Wandel der (Jahres)Zeiten erleben, Ideen weiterdenken, vom Kleinen ins Große denken, die Seele baumeln lassen… das ist für mich SchlossGenuss.

Direkt hinter den Schlössern beginnt die Dresdner Heide, wer nicht mit der Straßenbahn wieder in die Stadt fährt, sondern wie wir zu Fuß weiter den Elbhang hinaufklettert, kann im nahe gelegenen Stechgrund an den drei Quellen Teichquelle, Degele-Quelle und Schwesternquelle Labsal finden und den Tag ganz still ausklingen lassen. Das ist dann aber eher Waldgenuss…

 

13 Gedanken zu “Genießen, lustwandeln… Schlossgenuss

  1. Liebe Susanne,
    so von Susanne zuSusanne: Was für ein wunderbarer Beitrag zur Blogparade. Du hast den Besuch Deines Schlosses so schön beschrieben, dass es kein Problem ist, in Gedanken mitzugehen, den Tag zu genie0en, die Aussicht und die kühlen Trank. Dazu die schönen Fotos. Ich habe es so gerne gelesen.
    Liebe Grüße,
    Susanne

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Susanne,

    ganz herzlichen Dank für diesen #SchlossGenuss. Das ist echtes Lustwandeln, nicht nur durch die sächsische Schlösserwelt, sondern auch durch den Text mit seiner atmosphärischen Dichte! Ein Problem habe ich persönlich damit: Ich möchte am liebsten gleich vom Schreibtisch aufspringen und die Tour vor Ort nachvollziehen, aber ich muss mich ja um #SchlossGenuss und „Zu Tisch! Genießen in Schlössern und Gärten“ kümmern 😉

    Liebe Grüße
    Andrea Hahn

    Gefällt 1 Person

      1. Das machen wir, super Idee! Ich werde mir dann Albrechtsburg und Albrechtsberg hintereinander anschauen – Fahrtzeit von Dresden nach Meißen oder umgekehrt natürlich eingerechnet 😉

        Herzliche Grüße
        Andrea

        Gefällt 1 Person

  3. Liebe Susanne,

    so schön – Lustwandeln am Feiertag! Da bin ich jetzt doch sehr froh, dass wir den Mai mit seinen vielen Feiertagen und auch den Pfingstferien auswählten. Am meisten freut mich aber, dass du erneut bei einer spannenden Kultur-Blogparade mitmachst, sie gestaltest. Es ist so lange her, dass ich in Dresden war. Komme ich das nächste Mal, werde ich bestimmt deinen Weg gehen!

    Was dir SchlossGenuss bedeutet ist richtig famos:

    „Freunde treffen, sich kulinarisch verwöhnen lassen, lustwandeln, Kunst im Schloss (die nicht sehr oft zu sehen ist) schauen, Vergangenem nachspüren, Geschichte reflektieren, über die Zukunft diskutieren, den Horizont im Blick, den Wandel der (Jahres)Zeiten erleben, Ideen weiterdenken, vom Kleinen ins Große denken, die Seele baumeln lassen…“

    Ein ganz herzliches Dankeschön dafür! Susanne aka @Pyrolim führt uns von Mecklenburg-Vorpommern in die Schlösserwelt ins Münsterland, während es auf #artTwo nach Baden-Württemberg geht. Insgesamt gibt es 7 fantastische Beiträge zur Blogparade – das beschwingt. Eine faszinierende Schlösserwelt, die nicht nur rosarote Seiten zeigt, tut sich auf – MERCI!

    Herzlich,
    Tanja

    Gefällt 1 Person

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