Kamelienschau – Lockdownvariante

In diesen nahezu ereignislosen, winterlichen Kulturlockdown-Tagen lechzen die Sinne nach Nahrung – nach Farben und Ereignissen außerhalb des Arbeitskämmerleins. Jeder Gang innerhalb des 15km-Radius durch den Wald oder das Stadtviertel ist mittlerweile ein ersehnter täglicher Höhepunkt im Einerlei, man entdeckt Dinge, die man sonst übersehen hätte… meine #Mittagswege sind wunderbare Tagesteiler geworden, ich bin froh, dass ich mir die Zeit dazu nehmen kann, streuner hier und da herum und gehe nachher wieder erfrischt ans Werk (viele Noten schreibe ich gerade für die hoffentlich bald wieder kommende Gartenzaunmusik, eine willkommene „Ersatzarbeit“ im Kulturlockdown).

Farben sind rar im Januar, die Frühblüher schlafen noch und recken höchstens die Spitzen heraus, die Christrosen sind unter dem Schnee verschwunden, tauchen nun aber weiß oder rosé wieder auf… umso schöner ist der kleine Blütenzauber, der mich derzeit frühmorgens neben meinem Bett begrüßt.

Die Kamelien blühen, drei Exemplare halten es bisher bei uns aus, ein Ableger der Pillnitzer Kamelie (etwa 15 Jahre bei mir), ein Schneeweißchen (Ableger einer der beiden Königsbrücker Kamelien, wie der Name schon sagt, der weiße) und ein Duftglöckchen, was ich in Königsbrück erwarb, das aber aus einer sächsischen Gärtnerei stammt (woher, ist mir nicht bekannt).

Erinnerungen an die letzten Jahre mit wunderbaren Kamelienentdeckungen im Kamelienland Sachsen werden wach, als Besuche von Ausstellungen alljährlich auf der Tagesordnung standen, nachzulesen in einem älteren Artikel. Die Bilder aus Königsbrück stehen mir noch vor Augen, wunderschöne Blüten gab es zu bewundern. Ein ganzes Konzertprogramm spielten wir (Duo Leggieramente) 2015 im Rathaus von Königsbrück.

Zu Hause bin ich glücklich über jede Blüte, die sich öffnet. Ab dem milderen Frühjahr bis November stehen die Kamelien draußen, dann wandern sie in unser Schlafzimmer, das schön kühl ist, aber vermutlich doch nicht die wirklich optimalen Bedingungen bietet. Vor allem die weißen Blüten zieren sich immer ein wenig, zeigen zwar Knospen und nehmen Anlauf, aber sie öffnen sich nur selten. Dafür verwöhnt mich das Duftglöckchen mit einem wunderbar zarten Duft und die Pillnitzer Kamelie ist treu und blüht immerzu.

Umso schöner war es, als ich vor ein paar Tagen von einem anderen Kamelienfreund den Tipp bekam, dass ja ganz in meiner Nähe – quasi mittagswegetauglich – ein Gewächshaus steht, in dem eine 90jährige Kamelie steht. Schon oft lag es quasi an meinem Weg und doch habe ich es noch nie entdeckt, weil ich mich nie auf das Hotelgelände von Schloss Eckberg getraut habe (die Schilder!). Mein Plan stand also fest und los ging´s schon heute. Tritt man bei uns aus dem Haus, beginnt das große Schlittern oder Dschinnern (wie ich sage), auf eisigen Pfaden kämpfte ich mich durch den Wald zu milderen Lüften im Elbtal vor. Ja, es ist wirklich in dieser Zeit immer wieder verblüffend, wie mild die Luft sofort ist, wenn man das Elbtal zu Gesicht bekommt, keine 3km von uns entfernt.

An der Wolfsschanze oberhalb der Mordgrundbrücke wehte ein mildes Lüftchen, die Wege waren unterhalb fast eisfrei und der Abstieg zur Bautzner Straße kein Problem mehr. Es ist wirklich kein Wunder, dass Kamelienliebhaber unten in der Stadt ihre Kamelien fast ganzjährig auf Balkon und im Garten stehen lassen können. Aber hey, man kann nicht alles haben, dafür hatten wir sehr schöne Schneetage und im Sommer genieße ich es, dass es immer luftig ist. 😉

Mein Ziel war schnell gefunden, das kleine Gewächshaus im Park von Schloss Eckberg (alle Tore am Gelände standen offen und von den Schildern, nach denen nur Hotel- und Restaurantgäste Zutritt hätten, ließ ich mich nicht abhalten). Man muss auch nicht weit gehen, da sieht man das Glashaus schon. Die Tür stand sogar offen, im hinteren Teil schlummerte ein Hund, zu sehen war niemand. Was war das für ein herrlicher Anblick! Die schon sehr große 90jährige Kamelie in der Mitte des Glashauses, blühte und ringsherum standen einige kleinere Kamelien, Zitrusgewächse, Granatapfelbüsche und mir unbekannte Gewächse. Die Fenster waren angekippt und ich konnte die eine oder andere Blüte mit der Kamera einfangen.

Beglückt trat ich den Heimweg an, nicht ohne vorn am schönsten Balkon Dresdens (vom Lingnerschloss, wo wir sommers manch lauschigen Abend verbrachten) auf die Elbe geguckt zu haben. Eine ausgesetzte Boje sah ich, ein flott fahrendes Boot und viel grauen Himmel, nun ja, immer wieder schön…

Nach Hause stieg ich durch den Stechgrund hinauf – Waldgenuss nach dem Schlossgenuss, wie immer – vorbei an den Quellen – die Teichquelle floss über, aber die Schwestern- und Degelequelle waren immer noch versiegt, obwohl der Bach sprudelte. Ein Hinweis darauf, dass noch immer eher Dürre herrscht, zumindest in 3 Meter Tiefe? Ich weiß es nicht, aber ich denk mir mein Teil.

Danke fürs Lesen und Begleiten auf meinen Mittagswegen!

3 Kommentare zu „Kamelienschau – Lockdownvariante

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  1. Habe dich gern begleitet – mit der Kaffeetasse in der Hand 😄
    Jo – der Dürremonitor sieht in manchen Gegenden nicht so gut aus. Im Moment ist genug pflanzenverfügbares Wasser da, aber tiefer als 1m ist es in einigen Regionen ziemlich trocken. Es müsste ein paar Wochen immer wieder regnen …
    Aber die Blumenfotos sind wunderschön, und dieses Gewächshaus im Schlosspark ist ein echter Hingucker 🤩
    Liebe Grüße
    Sabine aus dem 🕷 🕸

    Gefällt 1 Person

    1. Ach wunderbar… ich komme gerade erst zum Lesen. Ostern ist schon lange vorbei, aber ich bin gern in Gedanken hinterherspaziert! Ich muss unbedingt im Sommer dort in den kleinen Rosenpavillon, bin ganz verliebt in das wunderschöne, kleine Ensemble. :-))

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